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Einscheiben- und Verbundsicherheitsglas. Zwei wichtige Werkstoffe kurz erklärt.

Konventionelles Glas
Konventionelles Glas © pixabay.com / kiragrafie

Gemäß DUDEN wird «Glas» kurz und knapp wie folgt definiert:

Lichtdurchlässiger, meist durchsichtiger, leicht zerbrechlicher Stoff, der aus einem geschmolzenen Gemisch hergestellt wird und als Werkstoff (z. B. für Scheiben, Gläser) dient.

Uns allen ist dieser beschriebene Stoff bekannt und trotzdem wissen wir eigentlich wenig darüber. Vielleicht sticht uns dieses oft durchsichtige Material zu wenig ins Auge. Möglicherweise haben wir uns aber auch einfach an diesen vielseitigen Werkstoff gewöhnt. Für Saft zum Frühstück dient Glas als geschmacksneutrales Gefäß und auf dem Weg zur Arbeit schützt uns dieser Werkstoff – unabhängig davon, ob wir mit dem Auto oder Zug reisen – vor Umwelteinflüssen. Ganz nebenbei ist Glas immun gegen die meisten Säuren und Laugen, was ein breites Einsatzspektrum garantiert.

Spätestens beim Duschen kommen die meisten von uns wieder mit Glas in Berührung. In dem Fall nicht einfach mit Glas, sondern mit zwei unterschiedlich veredelten Spezialformen davon, auf welche wir im Folgenden kurz eingehen.

Einscheibensicherheitsglas (ESG) © pixabay.com / wilhei

ESG (Einscheibensicherheitsglas)

1927 erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt, ist die Idee hinter Einscheibensicherheitsglas immer noch so genial wie vor fast 100 Jahren. Da Glas in seiner natürlichen Form beim Zerbersten gefährlich spitze Bruchstücke bildet, wird die Glasoberfläche während des Produktionsprozesses mit kalter Luft „abgeschreckt“. Der dabei entstandene Temperaturunterschied zwischen Außenhaut und Kern bleibt im Glas als innere Spannung erhalten. Diese neu entstandenen Kräfte werden Vorspannung genannt und verbessern die Materialeigenschaften merklich.

So wird zum Beispiel die Biege-, Schlag- und Stoßfestigkeit gesteigert, aber auch das Bruchbild verändert sich positiv. Geht die Scheibe zu Bruch, entweicht die Vorspannung in Millisekunden und erzeugt tausende kleine Bruchstücke. Diese sind im Gegensatz zu großen, spitzen Glasscherben für den Menschen ungefährlich und machen deutlich, warum ESG bei Duschwänden eingesetzt wird.

 

Verbundsicherheitsglas (VSG)
Verbundsicherheitsglas (VSG) © Wikimedia Commons

VSG (Verbund-Sicherheitsglas)

Um 1950 fand die Kombination aus zwei ESG-Scheiben und einer reißfesten, zähelastischen Folie den Weg in die Automobilindustrie. Die Vorzüge der vorgespannten Scheiben waren bekannt, nur das Problem der tausend kleinen Bruchstücke musste behoben werden. Zumindest für Frontscheiben wurde es mehr und mehr notwendig, eine neue Glaslösung zu finden, die zwar bei Krafteinwirkung in harmlose Stücke zerfällt, aber trotzdem auftretende Kräfte absorbieren kann.

Ein Sandwichverbund aus zwei ESG-Scheiben und einer dazwischen eingeklebten Folie war die Lösung. Damit zerspringen die zwei ESG-Scheiben wie gewünscht, werden aber von der eingeklebten Folie zusammengehalten. Dabei entsteht das weitherum bekannte Spinnennetz. Neu setzen wir dieses Verbund-Sicherheitsglas auch für unsere Air Colours Walk-in Lösungen ein, welche dank der eingearbeiteten und eingefärbten Folien in vier unterschiedlichen Farben aufwarten.